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Die Materialität der Malerei ist auf drei elementare Bedingungen zu reduzieren.

Da wäre zum einen der Malgrund, welcher Beschaffenheit er auch sein mag. Als weiteres benötigt man das Farbmittel, auch Pigmentteilchen genannt, also alles was die Farbigkeit übertragen kann. Das letzte, aber nicht das unwesentlichste, ist das Bindemittel. Jedwedes Bindemittel muss zum einen die Farbteilchen untereinander verbinden, wie auch diese dann mit dem Malgrund.

Aus diesen drei Elementen entsteht jede Form malerischer Hervorbringung. Der Künstler muss Licht und Schatten malen, um zu einer Modulation und damit zu der Plastizität zu gelangen, die die Gegenstände erst sichtbar macht. Mit dem gezielten Einsatz von Glanzlicht am Gegenstand jedoch, wird der eigentlichen Aufgabe, nämlich der Darstellung von Licht, Rechnung getragen.

Mit der Erfindung der Fotografie gelang es, dass das Licht sich selber malt. Diese material-technischen und handwerklich-künstlerischen Elemente untersucht Soulis Moustakidis durch seine Arbeiten. So arbeitet und experimentiert er mit Lichtempfindlicher, photografischer Emulsion auf Holz, Leinwand, Papier, belichtet diese und setzt dadurch eine chemische Reaktion in Gang. Dann wird die Oxidation gestopppt und versucht, haltbar gemacht zu werden. Zur Fixierung benutzt er die unterschiedlichsten Bindemittel wie Lacke, Gelantine oder Polyesterharze, wobei der Arbeitsprozess nie exakt vorhersehbare Ergebnisse hervorbringt. Dabei kann es vorkommen, das die chemische Reaktion zwar scheinbar gestoppt ist, aber aufgrund der hohen Lichtempfindlichkeit weitere chemiische Reaktionen stattfinden, und so die Arbeit sich immer weiter verändert, ohne je als Ergebnis ein Ende zu finden.

Ein weiteres Untersuchungsfeld seiner Arbeitsprozesse sind die Erprobungen zu den mineralogischen und chemischen Farben. In Läuterungsprozessen filtert er die mineralischen Substanzen so rein wie mögliche und daher so klar und leuchtend heraus (s. Filtration), dass das Licht sich unenendlich in den Kristallen bricht und zu einem Flimmerfeld aufstrahlt. Ähnlich dem unvergleichlichen Blau eines Fra Angelico, dem man nachsagt, er hätte der Farbe Sterne beigemischt, befreit Soulis Moustakidis gleichsam das in dem Mineral enthaltene Licht.

Gleiches unternimmt er mit rein chemischen Farben, die auch filtriert und geläutert in immer feineren, lasierenden Schichten auf dem holzgrund aufgetragen werden. Für deren Oberflächenstruktur ist die Versiegelung wesentlich, um wieder zu einer lichtähnlichen Wirkung zu gelangen, die dann folgerichtig auch in verschlossenem zustand anwesend ist, was er mit seinen Kastenobjekten wie etwa »Orange in the box« (1994) demonstriert.

Dass Soulis Moustakidis mit der Metapher der Postmoderne, dem Computer als Überträger von Licht arbeitet, ist nur konsequent. So entstanden unter anderem Computeranimierte Videoclips, die durch die freundschaftliche Zusammenarbeit mit den Musikgruppen »Mouse on Mars« und »Stereolab« hervorgingen. Der prozessuale Charakter seiner Arbeiten ist eine Anleitung über die simultanen Reflexionen, der Sättigung von Materie und dem Glanz des Lichts.Andreas Bartosz